Altersvorsorge für Frauen – Tipps für die finanzielle Unabhängigkeit

Wirtschaft und Finanzen

Altersarmut ist weiblich - das hört man immer wieder. Aber was steckt hinter diesem Ausspruch und worauf sollten speziell Frauen achten, die für das Alter gut aufgestellt sein möchten? Kundenberater Josef Neumaier erklärt, warum Finanzen auch ein Frauenthema sind.

Immer mehr Frauen entdecken die Themen Finanzen und Altersvorsorge für sich. Die Zahlen zeigen: das ist mehr als notwendig! Altersarmut ist überwiegend weiblich und das wird sich auch nicht so schnell ändern. Denn in den meisten Familien sind es auch heute immer noch Frauen, die für Kinder eher beruflich zurückstecken und die Karriere und die finanzielle Absicherung den Männern überlassen. Keine gute Idee, auch weil mehr als jede dritte Ehe in Deutschland geschieden wird. 

Die Forscher der Studie „Child Penalties Across Countries“ aus dem Jahr 2019 sprechen sogar von einer „Bestrafung von Müttern“ auf dem Arbeitsmarkt. Die Studie untersuchte, wie sich die Gehälter von Männern und Frauen entwickeln, wenn Kinder ins Spiel kommen. Die traurige Erkenntnis: Zehn Jahre (!) nach der Geburt des ersten Kindes verdienen Mütter immer noch im Schnitt 61 % weniger als im letzten Jahr vor der Geburt. Bei Männern konnte dieser Einschnitt nicht festgestellt werden. 

Dieses Missverhältnis spiegelt sich auch in der Rente wider: Denn mit weniger Gehalt geht auch weniger Rentenanspruch einher, was dann zu einer prekären Lebenssituation im Alter führen kann.

Damit Sie nicht in die Altersarmut-Falle tappen, gibt Ihnen unser Kundenberater und Geschäftsstellenleiter in Reit im Winkl Josef Neumaier im Interview Tipps und Hinweise, wie Sie loslegen können, um finanziell unabhängig zu leben.

Josef Neumaier, Geschäftsstellenleiter Reit im Winkl

Interview mit Josef Neumaier, Geschäftsstellenleiter der meine Volksbank Raiffeisenbank eG in Reit im Winkl.

 

Herr Neumaier, Sie begleiten seit Jahren Ihre Kunden bei der Erfüllung Ihrer Ziele und Wünsche. Mit welchen Problemstellungen kommen speziell Frauen zu Ihnen?

Meist ist das drängendste Problem die mangelnde Altersvorsorge. Gefühlt sind 80 % meiner Kundinnen beim Thema Rente unterversorgt. Das hat ganz unterschiedliche Ursachen, oft sind es aber immer noch berufliche Auszeiten durch die Kindererziehung und die ungleiche Bezahlung, die zu einer massiven Rentenlücke führen.

 

Was bedeutet das denn, die Rentenlücke?

Die Rentenlücke bezeichnet die Differenz zwischen den verfügbaren finanziellen Mitteln vor und nach Eintritt in die Rente – das bedeutet: je größer die Rentenlücke, desto schwieriger wird es, den gewohnten Lebensstandard auch im Alter zu halten.  

 

Machen wir mal ein konkretes Beispiel: Wie stellt sich die typische Situation bei einer verheirateten Mutter mit zwei Kindern dar?

Bei diesem „Klassiker“ ist es immer noch meist so, dass die Mutter die Kindererziehung übernimmt bzw. übernommen hat. Dadurch zahlt sie allein schon ein paar Jahre nicht in die gesetzliche Rente ein, abgesehen von der sogenannten „Mütterrente“, durch die Erziehungszeiten mit bis zu drei Rentenpunkten belohnt werden. Zudem erfolgt der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt oft nur mit Teilzeitjobs oder auf 450-Euro-Basis. Also fließt auch hier wenig oder nichts in den gesetzlichen Rententopf. Von der fehlenden Liquidität für eine private Vorsorge ganz zu schweigen.

 

Wie sieht es mit alleinerziehenden Müttern aus?

Hier ist die Situation noch angespannter. Die Kindererziehungszeiten werden hier zwar oft kürzer gehalten, ein Wiedereinstieg in den Job ist meist zwingend notwendig, um das Familieneinkommen zu erwirtschaften. Jedoch ist gleichzeitig das Problem: Es bleibt oft keine Luft, um ein Vermögenspolster aufzubauen.

 

Und bei Frauen ohne Kinder?

Sofern das Einkommen angemessen ist, haben wir hier im Regelfall die entspannteste der drei Varianten. Denn die Erziehungszeiten fallen weg, durch die wichtige Arbeitsjahre für die Vorsorge und Vermögensbildung fehlen könnten. 

 

Also kann eine Altersvorsorge aufgebaut werden, die klassisch auf den drei Säulen, privat, staatlich und betrieblich ruht. Der einzige Fehler, den man hier machen kann, ist es, zu spät anzufangen. Auch, wenn es nur kleine Beträge sind: je früher Sie starten, etwas auf die Seite zu legen, desto leichter wird es, im Alter finanziell sorgenfrei zu sein.

 

Was empfehlen Sie Frauen, die beim Thema Rente noch keine Lösung für sich gefunden haben?

Zu aller erst muss der Wille da sein, das Thema anzugreifen, dann ist schon viel gewonnen. Es ist jedenfalls nie zu spät, sich damit zu beschäftigen.

 

Folgende Punkte sind entscheidend:

Erstens muss das Familieneinkommen so verteilt sein, dass es beiden Partnern möglich ist, eine eigenständige Altersvorsorge aufzubauen. Und ja, liebe Männer, es ist hier nicht verboten einen „Lohn“ als Ausgleich für die Kinderbetreuung an Eure Frauen zu zahlen und die Altersvorsorge weiter zu bedienen, wenn dadurch finanzielle Gleichberechtigung geschaffen werden kann. Auch ein Gang zum Steuerberater kann sinnvoll sein, um die Steuerklassen gerecht einzuteilen. 

 

Ein anderes Modell ist es, dass beide Elternteile beruflich kürzertreten, aber vollzeitnah arbeiten können, sodass für alle möglichst wenige Einbußen entstehen. 

 

Zweitens: Wenn man sich dagegen entscheidet, nach der Elternzeit direkt in Vollzeit in den Beruf zu starten, dann empfehle ich so einzusteigen, dass wieder in die gesetzlichen Rententöpfe eingezahlt wird. Der Lohn muss also mindestens bei 450 € liegen - die Anmeldung bei der gesetzlichen Rentenversicherung nicht vergessen!

 

Drittens: Denken Sie auch daran, alle staatlichen Fördermöglichkeiten auszuschöpfen, wenn sie Sinn machen. Bis zu 775 € pro Jahr bei zwei Kindern sind hier von staatlicher Seite fest reserviert.

 

Wie geht man nun das Thema ganz konkret in der Praxis an?

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, egal, wie klein der auch sein mag. Gerne helfen wir dabei, indem wir bei der genossenschaftlichen Beratung in drei Phasen vorgehen.

 

Zunächst den Status Quo ermitteln: Wie stellt sich die aktuelle Vorsorgesituation dar? Können wir gedanklich einen grünen Haken setzen oder entsteht eine Lücke, die wir angehen müssen?

 

Danach den Maßnahmenplan entwickeln: Unter Berücksichtigung der Einnahmen und Ausgaben und der anderen Ziele und Wünsche im Lebensplan der Kunden wird ein Bauplan für die Vorsorge entwickelt, der idealerweise wieder alle drei Säulen der Rente (privat, staatlich, betrieblich) bedient.

 

Am Ende steht die regelmäßige Überprüfung: Mindestens alle zwei Jahre wird der Gesamtplan überprüft und auf die Lebensumstände optimiert. Hier werden Themen wie Einkommen, Inflation und neue Möglichkeiten zur Vorsorge berücksichtigt.

 

Warum ist Ihnen das Thema so wichtig?

Ich möchte mit meinen Kunden die nächsten Jahrzehnte so zusammenarbeiten, dass Sie Ihre Lebensziele erreichen. Altersarmut habe ich bisher noch nicht als Lebensziel meiner Kunden gehört.

 

Außerdem ist es mir wichtig, dass meine Kunden und Kundinnen ihre Optionen kennen und bewusste Entscheidungen treffen können, um die Freiheit zu haben, ihr Leben wie gewünscht gestalten zu können - nicht getrieben von finanziellen Sorgen.

 

Ich meine, stellen Sie sich als kleine Analogie mal vor, sie wollen mit einem Spezl auf eine Bergtour gehen, die sie noch nie gegangen sind. Sie wissen nicht, auf was Sie sich einlassen. Sie fragen: „Ist die Tour recht gefährlich?“ Er meint: „Na ja es geht, ca. 35 % der Bergsteiger schaffen die Tour nicht“.

 

Würden Sie mitgehen? Eigentlich doch nur, wenn die Absicherung passt, oder?

Analog dazu werden ca. 35 % der Ehen geschieden. Leider ist die Altersvorsorge trotz dieser hohen Zahl viel zu oft nur auf den Mann aufgebaut. Eine riskante finanzielle Bergtour.

 

Es geht hier auch nicht nur um das abgedroschene Thema Rente. Es geht um die finanzielle Unabhängigkeit der Frau. Ich denke, Entscheidungen sollten nicht in erster Linie aus finanziellen Gründen getroffen werden, weil man aufgrund der Abhängigkeit gar nicht anders kann. Die Finanzen müssen sicher sein, damit man das Leben genießen und mit gutem Gefühl zusammen den Lebensberg erklimmen kann.

 

Ein schönes Schlusswort! Vielen Dank für das Gespräch, Herr Neumaier!

 

 

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