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Kapitalmarktrückblick 2026

Kapitalmarktrends: Rückblick und Ausblick

Quartalsbericht 1. April – 30. Juni 2026

Das zweite Quartal war geprägt von geopolitischen Unsicherheiten, schwankenden Energiepreisen und einer weiterhin restriktiven Geldpolitik. Während die Eskalation im Nahen Osten die Märkte zunächst belastete, sorgten Hoffnungen auf eine Entspannung der Lage und robuste Wirtschaftsdaten für eine deutliche Erholung an den Aktien- und Rentenmärkten. Besonders der anhaltende KI-Boom trieb die Aktienkurse auf neue Höchststände. Welche Entwicklungen die Kapitalmärkte zuletzt bewegt haben und warum wir trotz bestehender Risiken weiterhin konstruktiv auf die kommenden Monate blicken, lesen Sie in unserem aktuellen Rück- und Ausblick.

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aktien- und Rentenmärkte erholten sich deutlich nach den Belastungen durch den Nahostkonflikt.
  • Öl- und Goldpreise gaben zum Quartalsende nach, wodurch sich der Inflationsdruck abschwächte.
  • EZB und Fed blieben vorsichtig, ein neuer Zinserhöhungszyklus gilt derzeit als unwahrscheinlich.
  • Künstliche Intelligenz bleibt der zentrale Markttreiber und führte insbesondere bei Technologie- und Halbleiterwerten zu Kursgewinnen.
  • Unternehmensanleihen guter Bonität bleiben attraktiv, das Kurspotenzial ist jedoch begrenzt.
  • Für Europa und die USA wird weiterhin Wirtschaftswachstum erwartet, in den USA unterstützt durch den KI-Boom.
  • Trotz geopolitischer Risiken überwiegen aktuell die Chancen an den Kapitalmärkten.
  • Qualitätsunternehmen mit starker Marktstellung und Preissetzungsmacht bleiben besonders interessant.

Aktien- und Rentenmärkte legen zu – fallende Öl- und Goldpreise

Nach dem Einbruch der Märkte im März durch die Eskalation des Irankonflikts und der Sperrung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr sorgte die Hoffnung auf einen Frieden im Nahen Osten und auf die Wiederöffnung der Wasserstraße für Erleichterung an den Börsen. Zwar brachen einige wirtschaftliche Frühindikatoren in Europa und Asien ein, insgesamt zeigte sich die Weltwirtschaft trotz des verknappten Angebots fossiler Energieträger aber robust. Die Inflation zog weltweit über die Energiekomponente spürbar an. Zweitrundeneffekte auf die Kerninflation waren bislang nicht zu verzeichnen und dürften in Anbetracht der zum Ende des Quartals wieder auf das Vorkrisenniveau gefallenen Energiepreise auch deutlich unwahrscheinlicher geworden sein. Dennoch haben einige Notenbanken in den vergangenen Wochen die Leitzinsen erhöht. Im Falle der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte dies aber lediglich ein einmaliger Absicherungsschritt und weniger der Auftakt eines neuen Zinserhöhungszyklus gewesen sein. In den USA hat die Federal Reserve (Fed) das Leitzinsniveau bestätigt, gleichzeitig aber mit ihren Kommentaren den Hoffnungen auf zügige Zinssenkungen einen leichten Dämpfer versetzt. Wenngleich der herbeigesehnte Frieden im Nahen Osten auch bis Ende Juni noch immer nicht zu schweigenden Waffen geführt hat und auch der Schiffsverkehr aus und in den Persischen Golf noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt ist, so stabilisierte sich in der ersten Hälfte des Quartals der Ölpreis und sank in der zweiten Hälfte nahezu bis auf das Niveau von Ende Februar ab. Entsprechend gaben auch die Renditen sicherer Staatsanleihen mit langen Restlaufzeiten wieder nach und der Goldpreis setzte seine Konsolidierung fort. Im Kurzläuferbereich tendierten sie im Euroraum über das Quartal hinweg unter Schwankungen seitwärts und stiegen in den USA weiter leicht an. Die Renditeaufschläge von Unternehmens-, Hochzins- und Schwellenländeranleihen engten sich durch die verbesserte Stimmung unter den Marktteilnehmern deutlich.

Öl und Gold korrigieren
Anzahl geopolitsicher Krisenherde nimmt zu

Kapitalmarktausblick

Weiter konstruktiv

Trotz der vielen Unsicherheitsfaktoren bieten die Kapitalmärkte nach wie vor mehr Chancen als Risiken. Zwar liegt der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus noch immer spürbar unter dem Niveau von vor dem Start der Angriffe Ende Februar. Es mehren sich aber die Zeichen, dass eine Lösung gefunden wird, bevor das Angebot durch die leeren Lager bedenklich knapp wird. In diesem Fall sollte eine Rezession im Euroraum vermieden werden können und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 0,8 Prozent wachsen. In den USA erwarten wir aufgrund ihrer Energieautonomie und getrieben von dem Megatrend der Künstlichen Intelligenz (KI) 2026 ein deutlich höheres Wachstum von 2,3 Prozent. Trotz der energiepreisbedingt gestiegenen Inflation gehen wir nicht davon aus, dass die Zentralbanken in Europa und den USA in einen neuen Zinserhöhungszyklus wechseln werden. Als Absicherung gegen höhere Inflationserwartungen könnte die Europäische Zentralbank ihrem Zinsschritt im Juni noch einen zweiten folgen lassen. Weitere Anhebungen erwarten wir aber nicht, sodass an den Rentenmärkten Unternehmensanleihen mit guter bis sehr guter Bonität gut unterstützt bleiben, aufgrund der gesunkenen Risikoaufschläge allerdings mit begrenztem Kurspotenzial. Bei Staatsanleihen wirken die steigenden Nettoemissionsvolumen wegen der hohen öffentlichen Investitionen und der Haushaltsdefizite belastend. Durch die tendenziell steigende Staatsverschuldung bei einer gleichzeitig stabilen Unternehmensverschuldung kommt es zu einer Bonitätsverschiebung von Staaten zu Unternehmen. In diesem Umfeld haben Unternehmensanleihen guter Bonität für viele Investoren die Rolle der Staatspapiere übernommen und sind zu einem Ruhepol im Portfolio geworden. Angesichts der steiler werdenden Zinsstrukturkurven bevorzugen wir Papiere im mittleren Laufzeitensegment. Die US-Notenbank könnte ebenfalls die gestiegenen Inflationserwartungen mit einer Zinserhöhung einhegen. Grundsätzlich gehen wir aber davon aus, dass sie trotz der gestiegenen Teuerung gegen Ende des Jahres einen leicht expansiveren Kurs einschlagen wird. Der Grund liegt in dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh, der fest an zukünftige Produktivitätszuwächse durch KI glaubt. 

An den Aktienmärkten bleibt KI der wesentliche Treiber. Das Gewinnwachstum ist in der Breite gut, aber KI dominiert die Märkte allen geopolitischen Unsicherheiten zum Trotz. Nach dem erfolgten Börsengang von SpaceX werden die noch anstehenden von OpenAI und Anthropic weitere Schlaglichter darauf werfen, ob die Investoren dauerhaft bereit sind, große Mengen Kapital in KI-Konzerne zu investieren, oder ob es erste Signale für eine Abkühlung gibt. In Europa werden die Märkte hingegen eher von hohen Energiepreisen belastet, sowohl über die Gewinnsituation der einzelnen Unternehmen als auch über den konjunkturellen Ausblick insgesamt. Grundsätzlich spricht nach wie vor einiges für zyklische Unternehmen. Ein Augenmerk sollte vor allem auf Namen mit starker Marktstellung und Preissetzungsmacht gelegt werden. Der fundamentalen Analyse und der umsichtigen Selektion kommen in der aktuellen Marktphase mit vielen Unsicherheitsfaktoren eine besondere Rolle zu.

Der Ölpreis sollte sich nach dem starken Rückgang im Juni stabilisieren. Aufgrund der Schäden an der Produktions- und Transportinfrastruktur im Nahen Osten sowie einer nur langsamen Bereinigung der logistischen und produktionstechnischen Verwerfungen dürfte noch über einige Monate mit einem geringeren Angebot zu rechnen sein. Bei den Industriemetallen wie Kupfer und Nickel überwiegen langfristig unverändert die positiven Vorzeichen aufgrund der Elektrifizierung und der Energiewende. Bei Gold rechnen wir mit einer Ausweitung der Förderkapazitäten, die mittelfristig zu sinkenden Notierungen führen sollte.

Anzahl geopolitsicher Krisenherde nimmt zu
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