Mit einer Beruhigung im Iran-Konflikt sollten die Zinsstrukturkurven weiterhin die Möglichkeit von Roll-Down-Erträgen bieten, gerade im mittleren Laufzeitbereich. Spreadprodukte wie Covered Bonds, Peripherie- und Unternehmensanleihen als Beimischung sind aus Rendite- und Bewertungsaspekten interessant. Auf Euro lautende Rentenpapiere dürften zudem stärker in den Fokus internationaler Anleger geraten, die ihr Portfolio weg aus dem US-Dollar diversifizieren möchten. Die Aktienmärkte sind durch ein anhaltendes Gewinnwachstum 2026 gut unterstützt. Aufgrund des hohen Gewichts von KI-bezogenen Aktien bleiben das Thema und die damit verbundenen Investitions- und Gewinnerwartungen wichtige Treiber, aber die Titelselektion dürfte mit einem zunehmend kritischeren Blick der Investoren auf die finanzierten Projekte wichtiger werden. Da sich durch die Konjunkturbelebung die Schere zwischen dem hohen Gewinnwachstum von KI-nahen Unternehmen und der breiten Wirtschaft langsam schließt, dürfte eine Diversifikation in ausgesuchte Industrie-, Logistik- und Dienstleistungstitel Chancen bieten, gerade in Europa aufgrund der Fiskalpakete. Angesicht der anhaltend hohen geopolitischen Unsicherheit und der temporär höheren Inflation, die als Folge der aktuell stark gestiegenen Preise für fossile Energieträger zu erwarten ist, sollten defensive, dividendenstarke Titel ebenfalls gefragt sein.
Bei den Rohstoffen bleibt die Lage im Iran beherrschend für die Preisentwicklung. Je länger die Straße von Hormus unpassierbar ist und je mehr Produktionsanlagen beschädigt werden, desto nachhaltiger dürften die Auswirkungen durch Produktionsstilllegungen auf die Öl- und Gaspreise wirken. Im Metallbereich bleibt Kupfer attraktiv, das im Umbau der Wirtschaft zu mehr Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit unentbehrlich ist.
Die fragile politische Lage macht das Denken in Szenarien im Investmentprozess wichtiger, auch wenn diese nicht absolut gegen unerwartete Marktreaktionen schützen können. Sollte der Konflikt im Nahen Osten deutlich länger dauern und in der Folge die Energiepreise längere Zeit erhöht bleiben, ist vor allem im Euroraum mit einer spürbaren Wachstumsverlangsamung zu rechnen und die Inflation dürfte sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks deutlich über der Vier-Prozent-Marke liegen. Die erwarteten Leitzinssenkungen in den USA dürften dann ausfallen und die EZB sollte dann noch in diesem Jahr zwei bis drei Zinserhöhungen beschließen. Aus diesem Umfeld ergäbe sich für die Kapitalmärkte ein geringeres Potenzial im weiteren Jahresverlauf.